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Rassekunde

Obwohl man den Shar Pei extrem selten antrifft, ist er vielen Menschen aufgrund seines besonderen Äußeren ein Begriff. Denn zu den wichtigsten Merkmalen laut Rassestandard zählen die deutlich sichtbaren Falten, die vor allem an Kopf, Rücken und Rutenansatz auftreten.

Die dadurch verbreitete Bezeichnung „chinesischer Faltenhund“ entspricht allerdings nicht der ursprünglichen Bezeichnung Shāpí Gǒu, die frei übersetzt „Sandhaut-Hund“ bedeutet. Zwar sollen die Falten das Aussehen des Hundes nicht dominieren, aber trotzdem wurde in der Zucht genau diese Faltenbildung lange Zeit gefördert. Dadurch bzw. durch die damit verbundenen möglicherweise auftretenden Hauterkrankungen fällt im Zusammenhang mit dem Shar Pei auch häufig das Wort Qualzucht. Viele verantwortungsvolle Züchter dieser Rasse bemühen sich allerdings mittlerweile erfolgreich darum, diesem früheren Trend entgegenzuwirken.

Der Shar Pei wird 44 bis 51 cm groß und erreicht im Normalfall ein Gewicht zwischen 20,4 kg und 27,2 kg. Er hat kleine Ohren und einen Fang, der gern mit dem eines Nilpferds verglichen wird. Der Kopf ist im Verhältnis zum restlichen Körper etwas größer. Das Fell ist kurz, rau und borstig, ohne Unterwolle. Die Farbe ist einheitlich, nicht weiß und nicht gefleckt oder gepunktet. Zunge, Zahnfleisch und Gaumen sind blau bis blauschwarz. Die Rute wird nach oben zusammengerollt getragen.

Der geschichtliche Ursprung des Shar Peis liegt vermutlich in den südlichen Provinzen Chinas zur Zeit der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.). Er war nie ein Luxushund der herrschenden Klasse wie der Pekingese oder der Shih-Tzu, sondern immer ein Gebrauchshund. Als typische chinesische „Bauernhofrasse“ hatte der Shar Pei ein weites Einsatzgebiet und wurde als Wächter, als Jagdbegleiter, zum Hüten der Hoftiere und zum Vertreiben wilder Tiere zum Schutz der Ackerflächen eingesetzt. Sein massiges Erscheinungsbild und die lose, faltige Haut legen nahe, dass er irgendwann im Laufe seiner Geschichte auch für Hundekämpfe gezüchtet wurde. Jedenfalls wurde er bis ins 19. Jahrhundert als Kampfhund eingesetzt. Das kommunistische Regime in der Volksrepublik China erhob für alle Hunde enorm hohe Steuern. 1947 wurden die Steuern nochmals drastisch erhöht und das Züchten ganz verboten. Als Folge verschwand der Shar Pei fast vollständig. Um 1950 existierten nur noch wenige Exemplare. Im April 1973 wurden erstmals Pläne zur Rettung der Hunderasse in einer Fachzeitschrift publiziert. Durch Bemühungen des Züchters Matgo Law aus Hongkong gelangten einige Hunde in die USA, bevor Hongkong 1997 die Unabhängigkeit erlangte und die Ausfuhr chinesischer Hunde als Luxusgut gestoppt wurde. Schon im Jahr 1991 waren in den USA mindestens 70.000 Shar Peis registriert.

Genetischen Analysen aus dem Jahr 2010 zufolge gehören Shar Peis zu den Hunden, bei denen starke Hinweise auf eine Vermischung mit chinesischen Wölfen gefunden wurden. Außerdem zeigten Untersuchungen, dass sie von den meisten anderen untersuchten Rassen sehr stark genetisch abgegrenzt sind und als „altertümliche Rasse“ bezeichnet werden.

Aufgrund seines früheren Einsatzbereichs ist der Shar Pei wachsam, aber wenig bellfreudig. Gegenüber Fremden ist er meist misstrauisch und zurückhaltend, solange er in ihnen keine Gefahr sieht. Er gilt als selbstbewusst genug, um immer noch eigenständig die Verteidigung von Haus und Hof in Angriff zu nehmen. Seine Eigenständigkeit macht die Erziehung nicht unbedingt einfach. Konsequent, souverän und dabei einfühlsam ist die beste Strategie, um von Welpe an beim Shar Pei zu punkten. Auch die jagdliche Motivation kann beim Shar Pei heute noch durchaus ausgeprägt sein und sollte über ein entsprechendes Training umgelenkt werden. Dabei muss man sich darüber im Klaren sein, dass der Shar Pei sowohl was alternative jagdliche Beschäftigung als auch Rückruftraining angeht, gern selbst entscheidet, ob er mitmacht oder nicht. Längere Spaziergänge – aber bitte ohne Regen – machen die eher wasserscheuen Shar Peis oft gern mit. Beschäftigungen wie Hundesport oder Tricktraining kommen ihnen eher unsinnig vor.

Aufgrund des übergangsweise in den 1970er Jahren sehr kleinen Genpools finden sich einige Erbkrankheiten beim Shar Pei: Amyloidose (Störung des Abbaus und des Abtransports von Proteinen), Muzinose (Hauterkrankung mit teigigen Schwellungen, Rötungen, Pusteln und Haarausfall), „Familiales Shar-Pei Fieber" (FSF), Otitis (Entzündungen des Gehörganges durch die kleinen Ohren/engen Gehörgang), Entropium (einwärts gerollte Augenlider mit Augenentzündungen).

 

Artikel meiner Kollegin Heike Kleinhans (<link bielefeld-guetersloh/ _blank>DOGS Hundeschule Bielefeld/Gütersloh</link>)